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Olympiahalle – zurück im Spiel

Aktualisiert: vor 8 Stunden

Olympiahalle & TIWAG Arena

Anmerkung in eigener Sache: Dieser Text war ursprünglich für ein Eishockeymagazin vorgesehen. Weil er thematisch und zeitlich gerade perfekt passt, erscheint er nun hier auf meinem Blog.

Es ist einer dieser Tage, an denen Innsbruck kurz wieder so klingt wie früher. Die Olympiahalle ist eingeeist, neben mir steht ein älterer Herr, der sich an der Bande festhält, als wäre sie ein Geländer zurück in seine Jugend. „Dort oben“, sagt er und zeigt in einen Block, den ich im Halbdunkel nur erahne, „das war mein Platz. Jedes Heimspiel. Wir haben dort oben geraucht, getrunken, geschrien. Die Halle war bis zum letzten Sitz voll.“ Seine Augen leuchten. Gänsehaut.


Olympiahalle

Wo Olympia mehr ist als ein Logo

Bauzeit 1961 bis 1963, eröffnet am 9. November 1963: Die Olympiahalle ist das Herzstück der Olympiaworld Innsbruck. Rund 8.000 Sitzplätze auf den Rängen, dazu je nach Aufbau zusätzliche Plätze am Innenfeld - und eine Akustik, die Jubel und Pfiffe wie in einer Trommel zurückwirft. Entworfen wurde sie von Architekt Hans Buchrainer; gebaut als Statement, nicht als Zweckhalle. An der Außenfassade hängen bis heute die Olympischen Ringe. Kein hübsches Detail, sondern der Hinweis: Hier wurde Sport-Geschichte geschrieben!


Heute ist die Olympiahalle vor allem Konzert- und Eventhalle: Shows, Tourneen, Messen, Sportevents. Eishockey gibt’s nur noch gelegentlich - und genau deshalb sind die Momente, in denen wieder Eis liegt, so stark. Dann wirkt die Halle nicht „alt“, sondern groß. Weil sie immer noch so gebaut ist, als würde gleich etwas Bedeutendes passieren.

1964 - BAUZEIT-REKORD UND EINE HALLE MIT WELTFORMAT

Mit dem Zuschlag für 1964 startete am Tivoli ein Bauprogramm, das für eine Stadt dieser Größe alles andere als selbstverständlich war. In knapp zwei Jahren standen Halle und Infrastruktur - draußen dazu der 400-Meter-Eisschnelllaufring (12 Meter breit) samt zusätzlicher Eisfläche. Innen die große Halle, außen das Oval, dazwischen Wege und Plätze: ein Sportkomplex, der bis heute funktioniert!


Eishockey wurde 1964 im Rundensystem gespielt, ohne klassisches Finale - und trotzdem schrieb man hier Geschichte. Das Turnier zählte gleichzeitig als Welt- und Europameisterschaft. Gold ging an die Sowjetunion, Silber an Schweden, Bronze an die Tschechoslowakei. Kanada reiste erstmals mit einem eigens zusammengestellten Nationalteam an, organisiert von Father David Bauer. Die Halle sah Weltklasse, sie sah Drama - und sie sah, wie schnell Olympia eine Sportnation belohnt oder bricht. Für Innsbruck war es der Moment, in dem man plötzlich nicht mehr „Gastgeber“ war, sondern Mittelpunkt.


1976 - INNSBRUCK SPRINGT EIN: OLYMPIA KOMMT ZURÜCK

Zwölf Jahre später brannte das olympische Feuer erneut - weil Denver als Gastgeber ausfiel und Innsbruck einsprang. Die Stadt hatte Anlagen, Erfahrung und mit der Olympiahalle eine Bühne, die man nicht neu erfinden musste. Rund um die Spiele wurde adaptiert und modernisiert, das Olympiaworld-Areal wieder zum olympischen Knotenpunkt. Sportlich blieb die Hackordnung „klassisch“: Gold erneut UdSSR, Silber CSSR, Bronze Westdeutschland. Und wieder standen Legenden auf diesem Eis - ein Torhüter wie Vladislav Tretiak, Stars wie Valeri Kharlamov oder Aleksandr Yakushev. Es sind genau diese Namen, die eine Halle über Jahrzehnte tragen, weil sie zeigen, welche Größen hier schon gespielt haben. Auch in der Zeit des IEV, des Vorgängervereins des HC TIWAG Innsbruck – Die Haie, als etwa in den 80er-Jahren Weltstars wie Wiktor Schalimov oder Sergej Kapustin die Innsbrucker Eishockeyfans verzückten.


TIWAG Arena

Das Heute, direkt neben dem Gestern

Im Frühjahr 2005 bekam Innsbruck den nächsten Stempel in die Eishockey- Geschichte gedrückt: Die IIHF-Weltmeisterschaft gastierte in Wien und Innsbruck. Die Olympiahalle war dafür modernisiert worden, die Kapazität lag damals offiziell bei rund 7.800. Und weil in Nordamerika NHL-Lockout war, wurde die WM zur Starparade - plötzlich war NHL-Flair im Alpenkessel zu Gast. Kanada kam mit Joe Thornton und Dany Heatley, Schweden mit Henrik Lundqvist, dazu NHL-Namen quer durch die Kader. Am Ende holte Tschechien den Titel - und Innsbruck hatte eine WM, die sich wie ein Bonus anfühlte, den man so schnell nicht wieder bekommt. Im Zuge dieser WM bekam das Olympiaworld-Areal auch die zweite, kleinere Eishalle nebenan: die heutige TIWAG Arena. Rund 3.200 Plätze, kurze

Wege, zwei Ebenen - spürbar näher am Eis. Die TIWAG Arena ist Gegenwart. Training, Nachwuchs, Spieltage, diese Routine, die einen Klub durch eine Saison trägt.




HC TIWAG INNSBRUCK

… UND DIE GROSSEN NÄCHTE

Zuhause in diesem Komplex: der HC TIWAG Innsbruck - die Haie. Und ja, es gibt diesen einen Meisterpokal, den man in Innsbruck besonders gern erzählt: 2012 wurde der HCI Nationalliga-Meister - bis heute der einzige Meistertitel der Vereinsgeschichte. Gefeiert wurde er dort, wo es am meisten knistert: in der großen Olympiahalle. Nur: Auch in der TIWAG Arena wurde längst Geschichte geschrieben. 2023, Champions Hockey League, Innsbruck gegen Genève-Servette - späterer CHL Sieger. Auf dem Papier ein Abend zum Durchtauchen. In der Realität ein Statement: Lukas Bär traf zum ersten CHL-Tor der Klubgeschichte, am Ende stand ein 5:2 - und die TIWAG Arena kochte. Plötzlich war da diese seltene Mischung aus Stolz, Mut und Spaß am Risiko, die kleine Klubs manchmal für einen Abend groß macht. Und auf der anderen Seite stand ein Name, der sonst eher in Trophäenlisten auftaucht als in Tiroler Spielberichten: Valtteri Filppula - Olympiasieger, Weltmeister und Stanley-Cup-Champion. Genau solche Nächte zeigen, warum zwei Hallen in Innsbruck Sinn ergeben: Die TIWAG Arena liefert den Puls, die Olympiahalle die Kulisse - und der HCI die Geschichten dazwischen.



World Hockey Championships

Warum die Olympiahalle wieder Eis bekommt.

Und damit löst sich auch das Rätsel vom Anfang: Die Olympiahalle ist eingeeist wegen der World Hockey Championships. Was 2022 mit 30 Teams startete, wuchs rasant - 2023 waren es 50, 2024 dann 60, 2025 sogar 62 Teams. AAA-Hockey aus aller Welt, die Elite von morgen, Tempo und Talent - und mittendrin eine Halle, die sonst Konzerte und Messen schluckt. Gespielt wird dabei in beiden Hallen: in der TIWAG Arena und – als großes Highlight – in der Olympiahalle. Heuer läuft das Turnier von 15. April bis 12. Mai.



Für mehrere Wochen wird die Olympiahalle wieder zur Eishalle. Dann hört man an jeder Ecke Englisch, Finnisch, Tschechisch, Slowakisch, Schwedisch. Eltern filmen jeden Shift, Kids üben sich in Gamedayroutine wie ihre großen Vorbilder. Und so mancher Besucher schnalzt mit der Zunge, weil es einfach gut aussieht: die große Halle – wieder voll Eis, wieder voll Hockey. Organisiert wird das Turnier von Bernd Brückler - ehemaliger ÖEHV-Nationalteam-Goalie, heute Manager und WHC European Director. Und irgendwo an der Bande steht wieder jemand, der nach oben zeigt. Nicht, weil er erklären will, wo die Ringe hängen - sondern weil er seinen Platz sucht.

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